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Cover Lifers Englisch

Torrey ist schon vieles genannt worden: Verantwortungslos, trashig, Schlampe. Das ist ihr im Grunde aber eigentlich ziemlich egal. Sie ist nunmal so wie sie ist und mag sich so. Sie hat Spaß an Sex und sie sieht nicht ein, sich dafür entschuldigen zu müssen. Nun musste sie allerdings vorrübergehend wieder bei ihrer Mutter einziehen, die mittlerweile Mitten im Nirgendwo von Texas als Reverend arbeitet, und in diserer kleinen Stadt kommt Torreys Einstellung leider nicht besonders gut an. Aber was solls, sie hat nicht vor, länger als nötig dort zu bleiben und so lang wird sie die Predigten ihrer Mutter und die finsteren Blicke der Stadtbewohner schon noch aushalten.

Doch es gibt jemanden, der noch ein weitaus schwereres Los gezogen hat, als Torrey: Jordan wurde gerade erst aus dem Gefängnis entlassen und darf dank seiner Bewährungsauflagen die Stadt nicht verlassen. Das bedeutet, dass er jeden Tag mit dem konfrontiert wird, was er getan hat - und die ganze Stadt lässt es ihn nicht vergessen. Überall wo er hingeht, wird ihm nichts als Hass und Verachtung entgegengebracht - selbst in seinem eigenen Elternhaus.
Dass es nicht einfach ist, unter diesen Umständen einen Job zu finden, versteht sich von selbst. Einzig die Pfarrerin erbarmt sich und versucht ihm, hier und da ein paar kleine Jobs zu besorgen. So kommt es, dass Jordan und Torrey sich begegnen und Freunde werden. Torrey ist die Einzige, die Jordan nicht verurteilt und wie einen normalen Menschen behandelt und Jordan mag Torrey so, wie sie ist. Es dauert natürlich nicht lange, bis sich mehr zwischen den beiden entwickelt. Doch haben die beiden eine Zukunft, wenn Jordan eigentlich in seinem Kopf immer noch im Gefängnis ist und Torrey nicht vorhat, noch lange in der Stadt zu bleiben?

Nachdem ich The Traveling Man von Jane Harvey-Berrick gelesen habe, wollte ich unbedingt noch mehr von dieser Autorin lesen und die Wahl fiel schnell auf Lifers. Leider kann dieses Buch aber kein bisschen mithalten.
Die Grundgeschichte ist eigentlich nicht schlecht. Torrey ist ein Mensch, der im texanischen Nirgendwo nicht wirklich hineinpasst und überall anecken muss. Die Vorurteile, mit denen sie konfrontiert wird, sind nicht ohne und sorgen für einige interessante Szenen. Die eigentliche Handlung dreht sich aber natürlich um Jordan und die Aufarbeitung seiner Vergangenheit. Niemand lässt ihn je vergessen, was er getan hat, am allerwenigsten er selbst und er muss erst wieder lernen, was es bedeutet zu leben. Einige emotionale Momente sind also auch hier garantiert.
Leider ist das ganze Drumherum aber nur teilweise gelungen. Ich bin mit Torrey nie so richtig warm geworden. Es ist zwar bewunderndswert, wie sehr sie sich für andere einsetzt und dass sie sich nichts gefallen lässt, aber insgesamt ist sie mir einfach zu barsch, grob und einfach unsympathisch gewesen. Feingefühl ist ihr völlig fremd und sie ist oft unnötig unfreundlich. Außerdem rastet sie wegen jeder Kleinigkeit immer gleich aus und sorgt so für mehr Drama, als eigentlich nötig wäre. Jordan wirkt dagegen ziemlich passiv. Ich hatte zwar schon Mitleid mit ihm, aber er war mir teilweise einfach zu teilnahmslos und dass bei den beiden Torrey die Hosen anhatte, ist natürlich klar. Er war ein sehr stiller und ruhiger Charakter, bei dem mir irgendetwas gefehlt hat. Auch die Beziehung zwischen den beiden war ein bisschen schwierig. Jordan verliebt sich viel zu schnell und als Leser wundert man sich da schon, ob es nicht einfach nur daran liegt, dass er seit 8 Jahren keine Frau mehr hatte. Dass er ihr schon nach ein paar Tagen sagt, dass er sie liebt, macht das nicht glaubwürdiger.
Mit schwierigen Charakteren könnte ich eigentlich noch leben. Was mich aber wirklich gestört hat, ist ausgerechnet der Schreibstil, der mir in The Traveling Man noch so gut gefallen hat. Jane Harvey-Berrick benutzt viel zu viele Ausrufezeichen und man hat ständig das Gefühl, dass sich die Figuren nur anschreien. Außerdem benutzt sie jede texanische Floskel und jedes Sprichwort, die ihr so einfallen könnte. Es hat sich furchtbar kitschig gelesen und so gewirkt, als würden Menschen in Texas sich nur in komplett albernen Klischees unterhalten. Leider hat mir das ziemlich viel von diesem Buch verdorben.

Lifers von Jane Harvey-Berrick war deshalb eher eine Enttäuschung für mich. Es war zwar kein kompletter Reinfall, aber definitiv nicht so gut, wie ich erwartet hatte. Sehr schade, denn die Geschichte hatte eigentlich relativ viel Potenzial.

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