Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


Bild Jimon celestial-deliquent

Was würde passieren, wenn Clary und Simon aus der The Mortal Instruments / Chroniken der Unterwelt-Serie von Cassandra Clare die Plätze tauschen würden? Wenn Simon im Pandemonium Club auf Jace, Alec und Isabelle stößt und er und Jace sofort eine seltsame Verbindung zueinander spüren? Wenn Simon mit Nachnamen nicht Lewis sondern Fray hieße und seine Mutter Jocelyn plötzlich entführt würde? Wenn Simon ein gänzlich anderes Talent als sein weibliches Vorbild aus City of Bones / City of Bones (keine Rezension) hätte? Wenn die Geschichte ähnlich und doch völlig unterschiedlich wäre?

Wenn euch die Antwort auf alle diese Fragen interessiert, solltet ihr City of Shadows eine Chance geben. Dieses Fanfiction war das erste, das ich überhaupt aus der Welt der Shadowhunter gelesen habe und ich kann aus vollem Herzen sagen, dass ich es wirklich nicht bereut habe. Eine Freundin hat es mir empfohlen und da ihre Tipps bislang immer Gold Wert waren, habe ich auch in City of Shadows reingelesen. Was soll ich sagen. Ich war sofort gebannt und habe mir die halbe Nacht, den nächsten Tag und noch eine Nacht um die Ohren geschlagen, um die etwas über 600 Seiten so schnell wie möglich zu beenden. Es absolut faszinierend zu sehen, wie sich die Geschichte immer am Rande der Buchereignisse entlang gehangelt hat und doch eigene Wege gegangen ist.

Es gab da ein paar Szenen, die mir wirklich die Knie haben weich werden lassen. Unter anderem hat das mit Simons wunderbarem Talent zu tun, und zum anderen natürlich mit Jace. Denn Jace ist hier zum Teil aus anderen Gründen nicht so ganz mit sich im Reinen. Die Tatsache, dass die Shadowhunter eine aussterbende Rasse sind, mindert den Druck auf einen homosexuellen jungen Mann nicht unbedingt. Hinzu kommt natürlich das altbekannte Wayeland-Morgenstern-Dilemma.
Doch gerade die innigen Szenen zwischen den beiden Jungs waren wirklich zum Dahinschmelzen. Und am Ende war es mir völlig egal, ob die zwei nun wirklich Brüder, Chorknaben, Dämonenjäger oder Engelschlächter waren - solange sie nur zusammen waren. Ich muss dazu aber sagen, dass ich inzwischen so viele verdorbene, verquere und inzestöse Geschichten - hauptsächlich natürlich Fanfiction - gelesen habe, dass mich City of Shadows hier nicht wirklich schocken konnte. Solange die Liebe zwischen zwei Charakteren innig ist und sie niemandem sonst weh tut, habe ich auch mit solchen Themen überhaupt keine Probleme. Dies nur als Warnung. Nicht, dass jemand nachher geschockt ist und sagt, er wurde nicht ausgiebig von uns gewarnt.

Ein kurzer Exkurs zum Internetslang: Solltet ihr irgendwann mal dem Begriff dirtyhotwrong über den Weg laufen, könnt ihr euch darauf einstellen, dass Menschen miteinander intim werden, die es den gesellschaftlichen Konventionen zufolge normalerweise nicht tun. Von Inzest über Ehebruch und Treulosigkeit oder Sex von Erwachsenen mit Minderjährigen (Teenagern, Kinder sind - zum Glück - ein wirkliches Tabu) kann alles dabei sein. Das nur so zur Info. Wer sich in die Welt der Fanfiction begibt, sollte in jedem Fall IMMER die Tags, also die Hinweise am Anfang einer Geschichte lesen. Sonst landet man irgendwann irgendwo, wo man nicht landen wollte, und verdirbt sich selbst nur den Spaß dran. Aber keine Angst, City of Shadows war nur in sehr geringem Maße dirtyhotwrong und es ist auch - wie in der original Serie - noch nicht klar, ob Simon und Jace Brüder sind oder nicht.

Hier hoffe ich sehr auf den nächsten Teil, den Siavahda gerade schreibt. Bislang sind erst zwei Kapitel von City of Dreams erschienen und ich versuche mich wirklich zu bezähmen und dort nicht reinzugucken. Denn wer will schon von Kapitel zu Kapitel zittern und bangen. Und das werdet ihr auch bei City of Shadows tun. Aber da endet die Geschichte in etwa dort, wo auch City of Bones / City of Bones (keine Rezension) endet.

Gab es etwas zu bemängeln? Eigentlich nur, dass mir die Beschreibungen, so wunderbar blumig und ausführlich sie auch waren, manchmal tatsächlich zu viel des Guten waren. Hier hätte man manchmal vielleicht etwas straffen können. Natürlich nicht an den wichtigen und innigen Szenen, aber so manch eine Beschreibung hätte ich vielleicht doch nicht ganz in dieser Ausführlichkeit haben müssen. Doch dies kann auch daran liegen, dass ich durch City of Shadows wie im Rausch durchgejagt bin und einem, wenn man sich komplett auf die Handlung konzentriert, so etwas dann natürlich besonders auffällt.

Dennoch, wer sich einmal mit einer bi- beziehungsweise homosexuellen Geschichte aus der Welt von Cassandra Clare beschäftigen möchte, den Fokus aber eben nicht auf Alec und Magnus gelegt haben möchte, dem kann ich City of Shadows wärmstens ans Herz legen. Ich hatte eine fantastische Zeit beim Lesen und kann es kaum erwarten, bis ich Simon und Jace wieder begegne. Vermutlich lese ich City of Shadows dann einfach noch mal - so aus Spaß an der Freude. So mit dem Abstand von einigen Wochen zu City of Shadows und Jahren zum Original kann ich sagen, dass mir das Fanfiction deutlich mehr Spaß gemacht hat. Wer hätte das je gedacht?

Ach ja, fast vergessen. Ihr findet das englischsprachige City of Shadows von Siavahda unter diesem Link. Viel Spaß!
Das Bild stammt von Celestial-deliquent.

Hier geht es zum Buch!

2 Kommentare | Facebook | Twitter