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29.

Jun 2014

~ND

The River Leith

Beinahe wäre Leith Wenz New Yorks Amateur Box Champion geworden. Stattdessen landet er bewusstlos mit einer schweren Kopfverletzung im Krankenhaus. Als er wieder aufwacht, sind die Erinnerungen an die letzten drei Jahre seines Lebens wie ausgelöscht. Es ist, als ob sie nie dagewesen wären. Er kann sich nicht an den Tod seines Vaters erinnern oder an die Wahrheit über seine Mutter. Und auch nicht an den Mann, der ihm als sein bester Freund Zach vorgestellt wird. Der Einzige, der Leith noch vertraut ist, ist sein Bruder Arthur. Ansonsten scheint sich sein Leben in den letzten drei Jahren von Grund auf geändert zu haben und er erkennt sich fast selbst nicht wieder. Vor allem die Gefühle, die er Zach gegenüber empfindet und die er sich einfach nicht erklären kann, verwirren ihn...

Für Zach bricht eine Welt zusammen, als Leith ihn nicht mehr wieder erkennt - und fest davon überzeugt ist, komplett heterosexuell zu sein. Der Mann, mit dem er die letzten Jahre verbracht hat, scheint für immer verschwunden zu sein und Zach hat keine Ahnung, wie er damit klarkommen soll. In seiner Verzweiflung gibt es nur eine Sache, die ihm hilft: Video Blogging. Die Anonymität hilft ihm, seinen Ängsten und der Trauer wirklich Luft zu machen.

Leith und Zach wissen nicht, wie sie den neuen und den alten Leith unter einen Hut bringen können - und ob das überhaupt möglich ist oder sie sich einfach nur etwas vormachen...

Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangetreten und muss sagen, dass mich Leta Blake mit The River Leith wirklich sehr angenehm überraschen konnte. Die Geschichte setzt nur ein paar Tage nach Leiths Erwachen aus dem Koma an. Von der ersten Seite an wird klar, wie schwer das alles für Leith ist. Alle Gesichter, die ihm vorgestellt werden, sind neu und sein Bruder ist der einzige, den er noch kennt. Leith wird mit Informationen überschüttet, denn die letzten drei Jahre waren wie gesagt sehr ereignisreich. Sein Vater ist verstorben und Leith hat - nach einigen sehr schlechten Entscheidungen - endlich sein Leben umgekrempelt. Er besucht die Uni und hat einen Job. Doch im Kopf ist Leith noch lange nicht an diesem Punkt in seinem Leben und er erkennt sich selbst nicht wieder.
Und dann wäre da noch Zach. Leith mag Zach auf Anhieb und er spürt auch eine ganz besondere Verbindung zu ihm, aber er hat keine Ahnung, was er damit anfangen soll. Es war in gleichem Maß schön und traurig zu beobachten, wie diese beiden sich einander wieder annähern. Schön, weil einfach deutlich war, wie innig sie sich lieben und auch keine Amnesie etwas daran ändern konnte. Und traurig, weil Zach Leith so viel vorenthält und er trotz allem noch "seinen" Leith vermisst.
Übrigens bekommen wir die Geschichte im Prinzip sowohl aus Leiths, als auch aus Zachs Perpektive zu lesen. Die eigentliche Erzählung kommt von Leith. Doch Leta Blake streut immer wieder Einträge aus Zachs Vlog ein, wodurch man ebenfalls einen guten Eindruck von seiner Sicht auf die Dinge bekommt. Und das ist auch wichtig, denn Zach leidet schrecklich darunter, dass Leith ihn nicht mehr erkennt. Für ihn ist es fast so, als wäre sein Freund tot - obwohl er noch sehr lebendig ist. Das beschert ihm allerhand Schuldgefühle und widersprüchliche Gefühle, mit denen er kaum weiß umzugehen.

Zwei Dinge gibt es allerdings, die mich an The River Leith ein wenig gestört haben. Zum einen wären das Zachs eben erwähnte Vlog-Einträge. Diese wirkten manchmal ein wenig arg übertrieben und selbstdarstellerisch (wie Vlogs eben manchmal so sind). Prinzipiell fand ich das Mittel, Zachs Ängste so zu übermitteln, sehr gelungen. Die Ausführung hätte aber etwas schöner und subtiler sein können.
Der andere Punkt ist die Tatsache, dass extrem stark zwischen dem alten und dem neuen Leith differenziert wurde, so als wären sie zwei gänzlich unterschiedliche Personen. Und das stimmt einfach nicht. Deswegen war Zachs Trauer auch manchmal ein wenig frustrierend für mich. Denn ja, Leith ist nicht mehr der Gleiche wie vor seinem Unfall, aber er ist trotzdem immer noch Leith. Genau dieser Punkt führt auch zu einigen Spannungen, die in meinen Augen etwas runder gelöst werden sollten.

Trotzdem ist The River Leith von Leta Blake ein ausgesprochen schönes Buch. Es ist traurig und bewegend und mir hat sich manchmal schier der Magen umgedreht, so leid taten mir Leith und Zach. Dann aber gibt es wieder Momente, die mich vom einen bis zum anderen Ohr grinsen ließen. Ob Leith seine Erinnerungen aber je wieder zurückbekommt und Zach und Leith sich wieder zusammenraufen können, müsst ihr schon selber lesen. ;)

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